Die Grenzen der Logik

Es gibt ein Jenseits der klassischen Logik, das nicht in Gefühlen oder Esoterik  versinkt, sondern erschütternd „logisch“ und mit dem Verstand nachzuvollziehen ist, und dabei deutlich macht, wie wenig die klassische Logik bietet, um die Realitäten zu erfassen, mit denen wir zu tun haben.

Im Alltag handeln viele Menschen ohnehin so, dass es über die Logik hinausreicht, ohne es vielleicht bewusst zu haben oder Worte dafür zu haben, mit denen sie es schnell erklären könnten. Insofern bietet dieser Artikel zumindest Beschreibungen an, was wir im Alltag so tun, wenn wir über die Logik hinaus gehen.

Wir halten viele Dinge für „logisch“, die nicht im eigentlichen Sinne logisch sind. Um das zu verstehen, müssten wir uns anschauen, was logisch eigentlich bedeutet.

Als Aristoteles die Logik begründete, sagte er, dass ein Ding nicht zur gleichen Zeit am gleichen Ort sein und nicht sein kann. Im Philosophie-Unterricht wurde mir das durch das Beispiel eines Bechers, der auf den Lehrertisch gestellt wurde, veranschaulicht: er stand da oder, wenn der Lehrer ihn dort herunternahm, stand er dort nicht, beides zugleich war nicht möglich.

Die Aussage „Der Becher steht auf dem Lehrertisch.“ war also wahr oder nicht wahr. Ein andere Möglichkeit wie „Naja, das wäre die Frage, ob das wirklich so ist“ oder „Irgendwie steht er ja auch nicht da“ gibt es nicht. Das ist der Satz vom ausgeschlossenen Dritten.

Der Sinn der Logik besteht nun darin, von solchen wahren Aussagen oder „Tatsachen“, wie wir vielleicht im Alltag sagen würden, auf weitere wahre Aussagen zu schließen. Also: wenn das eine wahr ist, dann folgt daraus, dass das nächste wahr ist oder nicht wahr ist. z.B.: „Wenn der Becher dort auf dem Lehrertisch steht, dann liegt dort nicht ein Buch.“

Nun ist die Situation bei den meisten Aussagen so, dass wir nicht zusammen in einem Raum sitzen und alle eine gute Sicht auf den Becher auf dem Lehrertisch haben. Und – jetzt kommt’s – und dennoch tun wir oft so, wenn wir über gesellschaftliche Ereignisse sprechen. Wir betrachten das, was wir über andere, egal ob Medien oder Personen, erfahren haben, als säße die Öffentlichkeit, und wir mit ihr, in einem gemeinsamen Raum und schauten auf eine so einfache Tatsache wie der, dass der Becher auf dem Lehrertisch steht.

Wir brauchen in unserem Leben Vereinfachungen wie diese, aber natürlich ist diese Vereinfachung zu einfach. Und ein ähnliches Problem hat die Logik: sie geht von einer Vereinfachung aus, die zu einfach für das ist, was sie eigentlich tun will: sie will Aussagen auch auf Dauer als wahr oder falsch beurteilen können. Dafür geht sie aber von etwas aus, das nur für einen Zeitpunkt an einem Punkt im Raum gültig ist: etwas kann nicht zugleich (also zu einem bestimmten Zeitpunkt) an dem gleichen Ort (Punkt im Raum) sein oder nicht sein.

Es soll dabei aber dann auch um Aussagen wie „Alle Menschen sind sterblich“ gehen, die immer, oder vorsichtiger ausgedrückt, auf absehbare Zeit gültig sind, und nicht nur für ein Ding gelten, sondern für viele.

Ein weiterer Gesichtspunkt, der bei der Logik wegfällt, ist, dass wir von verschiedenen Gesichtspunkten aus auf die Sache schauen. Es wird vereinfacht von einem gemeinsamen Gesichtspunkt unseres Interesses an der Wahrheit ausgegangen. Und so erleben und führen wir unsere Diskussionen vielfach in der Öffentlichkeit.

Das, was ich in der Überschrift „Die Logik der Solidarität“ genannt habe, greift diese von der Logik außen vor gelassenen Punkte auf:

  • Es geht um eine Vielheit von Zeiten und Orten.
  • Hinter einer Aussage steht immer auch ein Gesichtspunkt oder Standpunkt und damit auch mindestens eine Person.
  • Die meisten Wahrheiten können wir nicht mit einem einfachen Blick auf die Dinge vor uns klären, sondern sind uns nur als Überzeugungen gegenwärtig, mit denen wir umgehen müssen, ohne dass wir immer beweisen können, ob sie den Tatsachen entsprechen oder nicht.