Wunschbilderdenkeneigenmacht

Das Selbstbild eines Menschen ist nicht von der sachlichen Nüchternheit, die wir als aufgeklärte und informierte Individuen gern für uns in Anspruch nehmen.

Wie die Kinder finden wir über Vorbilder zu einem Bild von uns, dass die Erfüllung unserer Sehnsüchte vorwegnimmt: Groß sein, stark sein, autonom handeln, das Glück selbst in der Hand haben. Unsere Kindheit unter einer zunächst als absolut erlebten Macht der Eltern prägt unser Bild von der Gesellschaft und der Welt als Ganzem. Worte wie „Vater Staat“ und „Muttersprache“ zeugen von diesen Übertragungen.

Dass wir uns an Wunschbildern orientieren, darin bleiben wir letztlich Kinder. Was kein Fehler ist, sondern unbedingte Notwendigkeit, wenn wir das Leben bewältigen möchten. Denn es lässt sich ja nicht im Vorhinein viel Verlässliches darüber sagen, ob unsere Bemühungen Erfolg haben werden.

Wenn wir aber vergessen, dass unser Blick auf die Welt ein von unseren Wünschen her eingefärbter ist, dann werden wir manche Fehleinschätzung, manches sich wiederholdende Versagen und manches Missverständnis nicht auflösen können.

Was für einzelne Menschen zutrifft, gilt auch für Gruppen bis hin zu Gesellschaften. Das Wunschbilderdenken ganzer Gruppen oder Gesellschaften kann man Ideologie nennen.

Das Denken in Wunschbildern entfaltet eine eigene Macht.

Die Denkfabriken verschiedener gesellschaftlicher Gruppen berücksichtigen bereits seit langem diesen Sachverhalt und prägen selbst Bilder, um das Denken breiter Bevölkerungsschichten ihren speziellen Interessen anzupassen. „Freie Märkte“, „Freihandel“, „Leistungsträger“, „Steuerlast“, „Exportweltmeister“, „Flüchtlingsflut“, „Islamisierung des Abendlandes“ sind Beispiele solcher Bilder, mit denen die Interessen Einzelner gegen die Interessen einer breiten Allgemeinheit, wie sie z.B. in den Menschenrechten formuliert sind, durchgesetzt werden.

Es ist jetzt nicht so, dass diese Situation nicht vielen um eine bessere Welt bemühten Initiativen und Organisationen bekannt wäre, dennoch ist es bislang nur unzureichend gelungen, eigene Bilder nachhaltig zu etablieren.
Das bedeutet für uns, dass wir in unseren Bemühungen um eine bessere Welt die Bilder in den Köpfen der Menschen sehr viel genauer erkennen lernen müssen, um denen dann eigene Bilder entgegenstellen zu können, die die Verhältnisse der Welt im Interesse einer fairen und solidarischen Weltgesellschaft zusammenfassen.

Dieser Blog soll erste Vorarbeiten für solche neuen Bilder bieten.

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